
- Wir sind die Wirtschaft - Kamphausen Verlag
Wirtschaft für den Menschen verbindet zwei Bereiche, die im aggressiven, freien Kapitalismus so bisher nicht zusammengehörten. War doch der Fokus hier klar auf möglichst viel Profit ausgerichtet, ethische Grundsätze vermisste man oft. Kein Wunder fühlen sich immer mehr Menschen gefangen in einem System, das sie nicht verstehen und das ihnen nicht (mehr) guttut. Nur wenige profitieren von dem immer rasanteren Wirtschaftswachstum, das dabei auch noch die Grundlagen für ein gesundes und zufriedenes Leben auf unserem Planeten zerstört.
Ethik in der Wirtschaft und Eigenverantwortung des Einzelnen
Dass es auch anders geht, beschreibt Kai Romhardt in seinem Buch „Wir sind die Wirtschaft“. Am Beispiel der Themenfelder Arbeit, Finanzen und Konsum, wird aufgezeigt, welche Einflussmöglichkeiten der Einzelne hat: als Mitarbeiter, Unternehmer, Anleger oder Konsument. Ein praxisnaher, von buddhistischen Ansätzen inspirierter Wegweiser für alle, die sich nicht mit dem Jammern über die herrschenden Zustände begnügen, sondern wirklich etwas verändern wollen. Der Ausgangspunkt für diese Veränderung, das wird ganz klar aufgezeigt, liegt nicht bei irgendeiner anderen Person oder Institution, auch nicht in der Politik oder der Wirtschaft. Sondern bei einem Selbst. Wer „etwas“ verändern möchte, fängt am besten bei sich an.
Homo oeconomicus oder bewusster Verbraucher
In der Wirtschaftslehre gibt es den Begriff des homo oeconomicus. Das ist ein Verbraucher, den es zwar so nicht gibt, der aber in der Thesenwelt der Volkswirtschaft vorkommt. Er handelt ausschließlich im eigenen Interesse, streng rational und ohne persönliche Präferenzen. Wie eine Maschine. Der wirkliche, lebendige Mensch und Verbraucher ist anders. Wie sehr er sich aber von dem Modellbild unterscheidet, ist individuell. Bewusste Verbraucher berücksichtigen auch andere Interessen, wie die der Mitmenschlichkeit und der Umwelt, auch über politische Bestrebungen zu Nachhaltigkeit hinaus. Ein bewusster Verbraucher hat verstanden, dass die Dinge auf unserer Welt, womöglich sogar darüber hinaus, alle miteinander in Zusammenhang stehen. Für ihn ist achtsamer Umgang, auch mit den Ressourcen Arbeit, Boden, Kapital, nicht nur eine Notwendigkeit, sondern eine Selbstverständlichkeit. Eine Haltung, die in Richtung des buddhistischen Menschenbildes geht, auf das auch das Buch vertraut.
Qualitatives oder quantitatives Wachstum
Wir wollen wachsen und in den zurückliegenden Jahrzehnten war in der westlichen Welt damit immer das Wirtschaftswachstum gemeint. Doch trotzdem sind die Menschen nicht glücklicher geworden. Die Veränderung hat vielleicht im Geldbeutel stattgefunden, das persönliche Wohlbefinden ist nicht im selben Maß gewachsen. In Bhutan zum Beispiel hat die Regierung bereits den Fortschritt anders definiert und macht ihn nicht mehr nur am Materiellen, sondern auch am Spirituellen fest. Nur persönliche Weiterentwicklung garantiere wirklichen nachhaltigen Reichtum, ist man der Überzeugung. Auch Kai Romhardt fordert dieses Umdenken.
Arbeit , Geld, Konsum
Beim Umgang mit der eigenen Zeit, Energie und Arbeitskraft, dem eigenen Geld und den Finanzanlagen, sowie dem Verhalten als Konsument gilt: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zu einer Veränderung. Wie sieht maßvolle Aktivität aus? Wie heilsamer Umgang mit Geld? Und wie kann man Konsumgewohnheiten verändern? Das Buch leitet zur Selbstreflexion an und zeigt Alternativen auf. Es baut dabei auf der Erkenntnis der eigenen Verantwortung für alles, was man tut oder lässt.
Nachhaltige Wirtschaft für den Menschen
Wer heute von einer kalten, aggressiven und toxischen Wirtschaft, die sich über kurz oder lang gegen den Menschen richtet, Wege zu einer Wirtschaft für den Menschen sucht, kann mit den Thesen dieses Buches etliche Schritte gehen. Denn dass es sie gibt, diese „Wirtschaft der Fülle“ im menschlichen Sinn, daran lässt der Autor keinen Zweifel.
Das Buch
Das Buch ist übersichtlich skizziert und aufgebaut. Wer zu einem bestimmten Thema Anregungen sucht, wird schnell fündig. Es empfiehlt sich jedoch, unbedingt den gesamten Text zu lesen, um sämtliche Verbindungen und Zusammenhänge zu erkennen.
Der Autor schreibt klare Sätze wie es Menschen tun, die im Kopf „aufgeräumt“ sind. So lassen sich alle Thesen und Ansätze leicht nachvollziehen.
Autor Kai Romhardt
Dr. Kai Romhardt studierte an der Universität St. Gallen Management und Organisation. Nach seinem Eintritt in die Unternehmensberatung McKinsey geriet sein Welt- und Wirtschaftsbild in die Krise. In Praxis und Lehre des Buddhismus fand er den lange gesuchten Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit.
Seine Bücher, Seminare, Vorträge vermitteln den achtsamen Umgang mit Wissen, Zeit, Konsum, Arbeit und Geld. Im Jahre 2004 gründete Kai Romhardt das Netzwerk Achtsame Wirtschaft, das die Potenziale buddhistischer Lehren auf die Wirtschaft überträgt und vermittelt.
Kai Romhardt: Wir sind die Wirtschaft, Achtsam leben – Sinnvoll handeln, J.Kamphausen, inspire!, Bielefeld, September 2009, 300 Seiten, Hardcover, € (D) 22,80
