Lisbeth Salander

Die Kult-Heldin aus Stieg Larssons Romanen macht Furore

Noomi Rapace als Lisbeth Salander            - NFP images©Yellowbird/Photo by Knut Koivisto
Noomi Rapace als Lisbeth Salander - NFP images©Yellowbird/Photo by Knut Koivisto
Ein neuer Frauentyp ist in der Literatur aufgetaucht. Lisbeth Salander ist klein, charismatisch und brandgefährlich. Loyal in ihrer Freundschaft und tödlich als Gegnerin.

Sie ist 1.54 m klein, bleich und anorektisch mager, trägt das eigentlich rote Haar stoppelkurz und schwarz gefärbt, hat Piercings im Gesicht und Tattoos am Körper. Stiefel, enge Jeans und Lederjacke trägt sie bevorzugt in Schwarz. Mit 24 wirkt sie eher wie 14 und sieht dabei aus, „als wäre sie gerade nach einer einwöchigen Orgie mit einer Hardrockgang aufgewacht“. So stellt der schwedische Autor Stieg Larsson seine Ermittlerin Lisbeth Salander in "Verblendung", dem ersten Band der bereits erschienenen Millenium-Trilogie um den Reporter Mikael Blomkvist vor.

Lisbeth Salander: Kind, Frau oder Furie?

Lisbeth Salander ist neben Blomkvist die zweite Hauptfigur der Serie. Die begnadete Computerhackerin arbeitet als Ermittlerin bei einem Security-Unternehmen und steht unter der Obhut eines Vormunds. Weil – aber das erfahren Leser erst nach und nach - sie als Kind ihren Vater mit Benzin übergossen und angezündet und dafür etliche Jahre in der Psychiatrie verbracht hat. Die Gründe hierfür sollen an dieser Stelle nicht verraten werden. Sie stellen jedoch die wohl wichtigste treibende Kraft in Lisbeth Salanders Leben dar. Die junge Frau besitzt weder einen Schulabschluss noch einen Beruf oder so etwas wie ein soziales Umfeld. Schnell wird jedoch klar, dass sie weder geistig noch emotional zurückgeblieben ist. Lisbeth Salander wählt einfach sehr genau aus, wem sie welche ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten und seltenen Gefühlsregungen zeigt. In Wirklichkeit verfügt sie über ein fotografisches Gedächtnis, ist hochintelligent und eine brillante Hackerin. So entsteht auch die Zusammenarbeit mit dem Journalisten Blomkvist, dessen Computer sie erst hackt um ihn dann bei seiner Recherche über eine vierzig Jahre zuvor verschwundene junge Frau zu unterstützen.

Lisbeth Salander ist eine Kämpferin

Lisbeth Salander ist eine taffe, mental starke Frau. Im Laufe der Handlung muss sie jedoch viel durchmachen. Der Originaltitel des ersten Bandes heißt nicht umsonst „Männer, die Frauen hassen“. Doch egal, was auch immer ihr passiert, sie bleibt nicht in der Opferrolle. Eine der am stärksten spürbaren Charaktereigenschaften dieser charismatischen Romanfigur ist ihre Bereitschaft, immer wieder aufzustehen und zu kämpfen. So wird Lisbeth Salander im ersten Teil des Buches Opfer einer Vergewaltigung. Statt sich zu verkriechen, kehrt sie zurück. Ihre Rache an dem Mann hat sie dabei mit kühlem Kopf geplant, sie zeichnet ihn für sein Leben als Genugtuung für das, was er ihr angetan hat. Sie zögert dabei keine Sekunde lang. Mitleid ist ein Gefühl, das sie in solchen Momenten nicht kennt.

Liebe, Freundschaft, Sex

Lisbeth Salander ist bisexuell, sie steht auf Männer und Frauen. Sie mag Sex und nimmt sich, was sie will. Romantik gibt es bei ihr nicht und Liebe hat für sie keinen hohen Stellenwert, zumindest möchte sie den nicht einräumen und steht ihr quasi fremd gegenüber. Ihre Art von Zuneigung ist eher mit Freundschaft oder Loyalität zu beschreiben. Tiefere Gefühle entwickelt sie nur für wenige Menschen, so allerdings auch für Blomkvist. Der seinerseits ebenfalls keineswegs monogam lebt. Die gefühlsmäßige Verbindung der beiden ist einfach und kompliziert zugleich. Einerseits treffen zwei sehr unabhängige Menschen aufeinander. Andererseits überschreiten sie die Grenze von reiner Freundschaft und gerade Lisbeth verstrickt sich teilweise in ihren Gefühlen und zieht sich, irritiert von seinem und ihrem eigenen Verhalten, danach teilweise komplett vor Mikael Blomkvist zurück.

Verblendung, Verdammnis, Vergebung - die Filme

Die drei Filme liefen bereits in den deutschen Kinos und sind auf DVD erhältlich. Die Kritiken sind begeistert. Einhellig werden die Filme gelobt, zu Recht. Die Umsetzung ist glänzend gelungen. Eine besondere Rolle kommt dabei Noomi Rapace, der Darstellerin der Lisbeth Salander zu. Sie macht ihre Sache hervorragend, kann die mal harte, mitleidslose Lisbeth darstellen, aber auch deren weiche, verletzliche Seite zeigen. Beides virtuos, so kommt die Widersprüchlichkeit der Romanfigur mit einer enormen Intensität und starker Präsenz auf die Leinwand.

Noomi Rapace spielt Lisbeth Salander

Es wurde lange gerätselt, wer diese vielschichtige, widersprüchliche und gegen ihre eigenen Dämonen kämpfende Frau spielen soll. Die Wahl fiel auf die schwedische Schauspielerin Noomi Rapace. Die unterzog sich für ihre Darstellung der Lisbeth Salander einer äußerlichen Radikalkur. Sie opferte nicht nur ihre lange Lockenpracht, sondern ließ sich außerdem Piercings durch ihre Augenbrauen, Lippen, Ohren und Nase stechen. Dazu machte sie den Motorrad-Führerschein und trainierte mehrere Monate lang Kickboxen mit einem Profi-Sportler. Das und eine extrem kohlenhydratarme Diät formten ihren normalerweise weiblichen Körper zu dem muskulösen und durchtrainierten Body von Lisbeth Salander.

Bisher war die Schauspielerin, die keine Schauspielschule besucht hat und selbst mit fünfzehn schon von zu Hause auszog um ihr Glück zu suchen, überwiegend in Fernsehrollen zu sehen. Die Darstellung der Lisbeth Salander ist nach dem 2007 gedrehten „Daisy Diamond“ ihre zweite große Kinorolle.

Im Privatleben ist Noomi Rapace verheiratet und hat mit ihrem Mann einen sechsjährigen Sohn.

Hollywood Neuverfilmung der Millenium Trilogie mit Daniel Craig und Rooney Mara

Inzwischen hat Hollywood angekündigt, die Millenium Trilogie ebenfalls verfilmen zu wollen und die Rechte an den Büchern von Stieg Larsson erworben. Im Gespräch war unter anderem Brad Pitt als Mikael Blomkvist. Inzwischen steht fest: Daniel Craig, der James-Bond-Darsteller, soll den Journalisten in der Hollywood Verfilmung spielen. Als Lisbeth war unter anderem Kristen Stewart im Gespräch, seit August 2010 weiß man: die bislang eher unbekannte New Yorkerin Rooney Mara hat die Rolle bekommen. Schwer vorstellbar allerdings, dass eine amerikanische Version die Atmosphäre des europäischen Vorbilds entfaltet. Noomi Rapace selbst hat bereits in einem Interview gesagt, sie glaube nicht, dass eine eventuelle Verfilmung in Hollywood dieselbe Atmosphäre erzeugen könne. Eine amerikanische Lisbeth wäre, so ist Rapace überzeugt, weniger sexuell angelegt, was der Hauptperson einen wichtigen Teil ihrer Identität nähme. So, wie Noomi Rapace Lisbeth Salander spielt, wird sie schwerlich getoppt werden können.

Der Autor: Stieg Larsson

Stieg Larsson war ein bekannter schwedischer Journalist. Die Romanreihe um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist hatte er auf insgesamt zehn Bände angelegt. Drei davon waren fertiggestellt, als er 2004, erst 50-jährig, an den Folgen eines Herzinfarkts starb. Angeblich gibt es ein unfertiges Manuskript eines weiteren Bandes der Reihe. Ob es jemals erscheinen wird, ist auf Grund von Erbstreitigkeiten derzeit unklar.

Stieg Larssons Millenium-Trilogie ist auf Deutsch im Heyne Verlag erschienen.

Stieg Larsson: Verblendung. Heyne Verlag, 2007, Taschenbuch, 704 Seiten, 9.95 Euro

Stieg Larsson: Verdammnis. Heyne Verlag, 2008, Taschenbuch, 768 Seiten, 9.95 Euro

Stieg Larsson: Vergebung. Heyne Verlag, 2009, Taschenbuch, 864 Seiten, 9.95 Euro

Cora Haertl, Cora Haertl

Cora Haertl - Cora Haertl ist Autorin, Betriebswirtin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Sie schreibt zu den Themen Wirtschaft & Beruf, ...

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